Verstehen statt Schema F.
Der akute Schmerzpatient kommt ungeplant, oft am Freitagnachmittag, und bringt
Entscheidungen mit, die unter Zeitdruck fallen. Trepanieren oder nicht.
Inzidieren oder abwarten. Antibiotikum oder keins. Selbst weiterbehandeln oder
überweisen. Diese Entscheidungen prägen den Verlauf stärker als alles, was
danach am Zahn passiert.
Die Leitfrage des Tages ist deshalb nicht, welchen Handgriff man macht, sondern
was der Schmerz eigentlich anzeigt. Aus der Pathophysiologie folgt die
Diagnostik, aus der Diagnostik die Entscheidung. Wer versteht, warum Kälte bei
früher Pulpitis lindert und bei später provoziert, braucht kein Schema mehr.
Ein Beispiel dafür, wie der Tag denkt: Die vollständige Wurzelkanalbehandlung im
akuten Zustand gilt vielen als Standard. Die Schmerzmediatoren sitzen aber
überwiegend in der Kronenpulpa, und deren Entfernung durchbricht die Kaskade
bereits. Ob die Pulpotomie im Notfall ausreicht, ob sie sogar definitive
Therapie sein kann und wo die Evidenz dafür endet, ist eine der Fragen, an denen
wir einen ganzen Block verbringen.
Der Kurs ist ein Verständnis- und Entscheidungskurs, kein Hands-on. Gearbeitet
wird an Fällen, an der Diskussion und am Notfall-Kompass, den jede und jeder am
eigenen Gerät mitbedient.